Tai Chi Bewegung

Tai Chi Bewegung | Tai Chi ABC

Heute wieder mal ein kleiner Artikel zu einem Tai Chi Grundbegriff aus meinem Tai Chi ABC. Der Begriff heute ist “Tai Chi Bewegung” oder, was ich auch sehr gerne mag, “Tai Chi bewegt“. Das ist sozusagen mehr das Tun, weil es im Tai Chi auch ums Tun geht. Was ist eine Tai Chi-Bewegung? Welche Bewegungen werden im Tai Chi unterschieden? Welche Bewegung ist die richtige? Antworten darauf im folgenden Blockartikel:

Bewegung ist gesund

Was bedeutet denn „Bewegung“ oder „bewegt“? Also, wenn wir uns mit Tai Chi beschäftigen, dann sehen wir, dass es im Vergleich zu anderen Verfahren (z. B. Meditation, bei der wir eigentlich die ganze Zeit sitzen, oder autogenes Training, bei dem ebenfalls relativ wenig Bewegung vorkommt) recht viel Bewegung gibt. Das bedeutet, wenn wir im Gesundheitsbereich sind, dann unterscheidet sich Tai Chi schon sehr von diesen und auch von sehr vielen anderen Verfahren.

Im Tai Chi gibt es eine große Vielfalt an Bewegungen, die den gesamten Körper einbeziehen.

Bewegung in der Kampfkunst

Wenn wir dann auf die ganz andere Seite blicken, nämlich auf Tai Chi als Kampfkunst, dann ist da die Bewegung auch sehr anders als bei vielen andere Kampfkünsten. Auf den ersten Blick auf jeden Fall. Zum Beispiel ist das Tai Chi sehr viel langsamer. Und dann kommt immer die Frage: Wie soll man sich denn damit verteidigen können? Was hat das für einen Sinn? Kurz gesagt: Wir üben die Bewegungen sehr genau und sehr bewusst und das braucht dann einfach viel Zeit und eine langsame Bewegung. Der bewusste Geist ist nämlich sehr langsam. Wenn Du die Bewegung dann verinnerlicht hast, ist es relativ leicht, diese dann auch schnell auszuführen. Dazu könnte ich auch einen Artikel schreiben, merke ich gerade…

Die bewusste Bewegung

Es gibt aber noch mehr Ideen zur Bewegung. Z. B. gibt es die sogenannten Willkürbewegungen, also Bewegungen, die ich ganz bewusst und gesteuert ausführe, wie z. B. “Ich hebe den Arm.” oder “Ich senke den Arm.” Ich führe also bewusst eine bestimmte Bewegung aus. Ich führe meinen Arm ganz bewusst und kontrolliert dahin, wo ich ihn haben möchte, wenn ich z.B. etwas greifen möchte. Im Gegensatz dazu gibt es im Körper aber auch die sogenannten autonomen Bewegungen bzw. autonomen Prozesse wie z. B. der Herzschlag oder die Atmung.

Die autonome Bewegung

Diese Bewegungen geschehen, auch wenn wir nicht darauf achten, sie nicht bewusst steuern. Zum Glück! Denn es wäre ungesund, wenn wir diese Bewegungen schlicht vergessen würden. Im Tai Chi können wir uns diesen autonomen Bewegungen über bestimmte Übungen ein bisschen nähern und so diese autonomen Prozesse beeinflussen, z. B. uns beruhigen oder entspannen. Das ist übrigens das Prinzip von vielen Entspannungsverfahren wie Autogenes Training oder auch progressive Muskelentspannung, nicht nur von Tai Chi.

Innere und äußere Bewegung im Tai Chi

Im Tai Chi unterscheiden wir zusätzlich innere und äußere Bewegungen. Die äußere Bewegung, das ist das, was man sozusagen von außen auch sieht. Also, wenn Du ein Video betrachtest, in dem jemand die Tai Chi Form läuft. Auf das, was man von außen sehen kann, kommt es dem Tai Chi-Übenden aber nicht primär an. Wenn Du Dir mehrere Videos anschaust, dann siehst Du unendlich viele Formen. Du siehst, der eine Interpret bewegt sich auf eine bestimmte Art und Weise, der andere bewegt sich anders. Wer hat denn jetzt Recht? Die bewegen sich ja alle irgendwie unterschiedlich, manchmal sogar ganz verschieden. Und dazu kommen jetzt auch noch die verschiedenen Tai Chi-Stile, deren Bewegungen sehr stark voneinander abweichen.

Was ist die richtige Bewegung im Tai Chi?

Kann man sagen, einer macht’s richtig, alle anderen falsch? Nein. Wir sind alle unterschiedlich, haben einen unterschiedlichen Körper und so müssen die Bewegungen einfach aufgrund unserer individuellen Physiognomie. Und: Das ist ja nur eine äußere Struktur, also eine äußere Choreografie, ein Rahmen, der dann mit Inhalten gefüllt wird. Und da wird es interessant, weil es dann um die sogenannten inneren Bewegungen geht.

Die inneren Bewegungen

Das ist jetzt ein bisschen schwierig, weil es da (oftmals) etwas mystisch wird. Wir sprechen jetzt von Dingen, die eben nicht offensichtlich und direkt zu sehen sind. Hier geht es um innere Zusammenschlüsse, innere Verbindungen. Es könnten z. B. sowas wie die sechs Harmonien trainiert werden, also dass die Ellenbogen und die Knie miteinander verbunden sind. Und das ist es, was letztendlich Tai Chi ausmacht. Also die Elemente, die durch die äußere Bewegung innerlich ausgerichtet und verbunden werden.

Oder es geht um so etwas wie z. B. Körperspannung. Also dass man versucht, sich zu entspannen und durchlässiger zu werden. Die Stehende Säule ist da eine schöne Übung, denn wenn man in ihr länger steht, dann muss man eigentlich immer gut loslassen, weil es sonst viel zu anstrengend wird. Das ist ein Weg, mit dem man tiefer ins Tai Chi vordringen kann, und der dann wieder die verschiedenen äußeren Bewegungen miteinander vereint. Wer das geübt hat und beherrscht, dessen äußere Bewegungen sehen dann klar und verbunden aus.

Der Weg der Tai Chi-Bewegung

Es geht also im Tai Chi auf jeden Fall um Bewegung und das kann erst einmal am Anfang eine sehr äußere Bewegung sein. Also einfach, wie ist diese Choreografie überhaupt? Wo kommt welche Hand hin? Wo ist das Gewicht? Wie wird verlagert? Aber später – mit zunehmender Übungspraxis – entfernt sich die Betrachtung der Bewegung immer mehr von der äußeren Gestalt. Es geht dann tiefer nach innen, um Körperstrukturen, um Spannungszustände, um das Lösen, um die Wahrnehmung nach innen und um die Verbindung der einzelnen Körperteile.

Ich hoffe, diese kleine Übersicht über die Tai Chi Bewegung war für Dich hilfreich. Ich habe dazu auch ein kleines Video gemacht, in dem ich diese Punkte auch dort nochmal aufgreife.

Tai Chi Bewegung | Das Tai Chi ABC

Das Tai Chi ABC wird ständig erweitert. Bisher erschienen sind in dieser Reihe:

Tai Chi Anfänger

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